Die Talentgewinnung gestaltet sich zunehmend herausfordernd, da klassische Recruiting-Methoden nicht mehr alle Zielgruppen gleichermaßen erreichen. Gamification, insbesondere durch interaktive Fragebögen und Quizzes, bietet eine innovative Ergänzung zum traditionellen Bewerbungsprozess. Doch wo liegen die Vorteile, für wen eignet sich dieser Ansatz, und welche Herausforderungen müssen berücksichtigt werden?
Gamification als Screening-Tool – Effizienz und Nutzen
InteraktiveFragebögen ermöglichen es, Kandidaten bereits früh im Prozess strukturiert zubewerten, ohne dass eine vollständige Bewerbung erforderlich ist. Dabei lassensich verschiedene Ziele erreichen:
- Gezielte Identifikationpassender Talente
Durch smarte Fragen werdenFähigkeiten, Erfahrungen und Präferenzen erfasst, um eine fundierte Vorauswahlzu ermöglichen. - NiedrigschwelligerZugang für passive Kandidaten
Wer sichnicht aktiv bewerben möchte, kann sich dennoch mit neuen beruflichenMöglichkeiten auseinandersetzen. - AutomatisiertesPre-Screening
Unternehmen erhalten einedatenbasierte Einschätzung über den potenziellen Fit eines Kandidaten. In derPersonalberatung können auf Basis der Testergebnisse direkt passendeVakanzen vorgeschlagen werden.
Welche Zielgruppen profitieren besonders?
- Digital Natives undtechnologieaffine Talente
Jüngere Kandidatensind mit interaktiven Technologien vertraut und bevorzugen häufig spielerische,dynamische Bewerbungsformate. Gerade diese Zielgruppe ist im ersten Schritt oftweniger offen für einen direkten telefonischen Austausch – eine Hürde, diedurch Gamification verringert werden kann. - Passive Talente
Personen, die nicht aktiv auf Jobsuche sind, aber durch ein Quiz oder eineinteraktive Selbsteinschätzung ihr Interesse an neuen Karrierechancen entdeckenkönnten. - Fachkräfte mit hohenAnforderungen an den „Perfect Fit“
Vielequalifizierte Kandidaten möchten zunächst sicherstellen, dass eine Positionwirklich zu ihnen passt, bevor sie den nächsten Schritt im Bewerbungsprozessgehen.
Herausforderungen: Wann stößt Gamification an ihre Grenzen?
Trotzaller Vorteile kann ein rein digitalisierter Prozess die persönlicheInteraktion vernachlässigen – ein wesentlicher Aspekt im Recruiting. Derdirekte Austausch bleibt essenziell, nicht nur weil Recruiting ein „People’sBusiness“ ist, sondern auch, um Kandidaten gezielt bei ihrer Karriereplanung zubegleiten.
Zudemist der große Sorgenpunkt, dass durch automatisierte datenbasierteTestergebnisse Menschen ausgeschlossen werden könnte, obwohl auch in derintermenschlichen Kommunikation immer eine Art „bias“ existiert.
Umdiesem Nachteil entgegenzuwirken, ist es entscheidend, nach der Auswertungeines interaktiven Fragebogens den persönlichen Kontakt aktiv anzubieten undsich ein persönliches Bild von dem Menschen machen, auch ohne das Testergebnis. So bleibt Gamification ein Einstiegspunkt – der eigentlicheBewerbungsprozess bleibt weiterhin dialogorientiert und individuell.
Fazit: Gamification als Einstieg, nicht als Ersatz
Gamificationbietet eine effektive Möglichkeit, Talente unverbindlich in denBewerbungsprozess zu holen und erste Einschätzungen zu gewinnen. Dennochersetzt ein spielerisches Element keine fundierte persönliche Beratung.Die Verbindlichkeit im Recruiting entsteht nicht durch das Quiz selbst, sonderndurch den nachgelagerten Bewerbungsprozess – dieser entscheidet letztlich überden Erfolg.